Gemeinden setzen auf elektronische Post statt Postler

 

21.04.2013 | Tiroler Tageszeitung

Gemeinden setzen auf elektronische Post statt Postler Besonders aktiv seien die Vorarlberger.

 

Die Kommunen leiden unter leeren Kassen und stellen ihre Verwaltungsausgaben auf den Prüfstand. Eine Folge daraus ist, dass auch rechtsverbindliche Poststücke verstärkt elektronisch versendet werden. „Wir betreuen Gemeinden, die bereits bis zu 70 Prozent ihrer Post elektronisch abwickelten“, so Josef Schneider, Geschäftsführer von HPC Duale Zustellungssysteme, im Gespräch mit der APA. Allerdings gäbe es noch ein deutliches Ost-West-Gefälle, besonders aktiv seien die Vorarlberger. Derzeit zählt Schneider 120 Gemeinden zu seinen Kunden, jede Woche kämen ca. fünf neue dazu.

 

Damit die Gemeindebürger rechtsverbindlich zugeordnet werden können, müssen sie sich mit ihrer Mailadresse registrieren. Nach einer kurzen Überprüfung, ob ihnen auch wirklich diese Mailadresse zugeordnet werden kann, erfolgt dann die Zustellung via Datenleitung anstatt durch den Postler.

 

Um die Bürger zum Umstieg auf den weit kostengünstigeren Mailversand zu motivieren, lassen sich die Gemeinden durchaus etwas einfallen. So verloste Kremsmünster ein Jahr Gratis-Müllabfuhr für einen „digitalen“ Haushalt. Die Zusendung rechtsverbindlicher Schriftstücke wie etwa Verträge erfreut sich laut Schneider auch in anderen Bereichen verstärkter Beliebtheit. So würden etwa Direktbanken deutlich schneller Verträge abschließen können, als wenn diese erst auf den Postweg unterschrieben retourniert werden müssten. Hilfreich dafür sei eine Handysignatur. Nach Startschwierigkeiten würde es inzwischen 10.000 bis 15.000 Aktivierungen pro Monat für die mobile Unterschrift geben.

 

Über dem Daumen gepeilt ließen sich durch eine durchgehende elektronische Versendung und Verarbeitung von RSA/RSB-Briefen 90 Prozent der Kosten gegenüber dem Postweg und der händischen Nachbearbeitung einsparen, versichert Schneider. Er zählt das Innen-und Verteidigungsministerium, die Wirtschaftskammer und die Oesterreichische Nationalbank zu seinen Kunden und möchte künftig verstärkt von der Verwaltung in die Privatwirtschaft expandieren. In der Slowakei und der Schweiz ist HPC bereits aktiv, in Deutschland gäbe es Gespräche. Im Vorjahr hatte das 2006 gegründete Unternehmen einen Umsatz von rund einer Million Euro erwirtschaftet. (APA)